von Mag. Lieselotte Cendon
Der Volksmund weiß es schon lange: Körperliche Beschwerden und seelische Befindlichkeit haben viel miteinander zu tun. Da hat jemand "die Nase voll", es bleibt einem "die Luft weg", oder "es zerreißt mir das Herz". Tatsächlich weiß heute auch die Wissenschaft, dass sich seelische Probleme auch - oder manchmal sogar vorwiegend - in körperlichen Symptomen außern können. Ebenso, wie eine gesunde Seele dem Körper viel Kraft geben kann, können psychische Probleme den Körper schwächen und sich durch körperliche Beschwerden ausdrücken.
Wie bemerke ich es?
Oft zeigt uns der Körper, dass sich seine Energiereserven schon dem Ende zuneigen - etwa durch ständige Erschöpfung und Müdigkeit oder durch eine geschwächte Immunabwehr. Andere typische "Hilferufe" des Körpers können unter anderem Herzbeschwerden, Reizdarm, Magenschmerzen, Hautausschläge, Asthma und Atemnot, Blasenschwäche oder ständige Rücken- und Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Appetitverlust sein. Damit signalisiert uns der Körper, dass das körperliche-seelische Wohlbefinden aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Was kann ich dagegen tun?
Bei leichteren Beschwerden können Sie versuchen, selbst gegenzusteuern - ausreichender Schlaf, Entspannungsübungen, Bewegung und Sport oder einfach Abwechslung, etwa ein schönes Wochenende mit Freunden, ein Spaziergang, Musik hören, ein Gespräch mit Freunden wirken oft Wunder. Versuchen Sie einfach, Ihr Augenmerk auf die beruhigenden, entspannenden und angenehmen Aspekte Ihres Lebens zu richten. Wenn Sie allerdings merken, dass sich keine Verbesserung einstellt, oder wenn sich Ihre körperlichen Beschwerden nicht verbessern, sollten Sie die Symptome medizinisch abklären lassen. Werden keine orgnischen Ursachen gefunden, so handelt es sich vermutlich um psychosomatische Beschwerden. Hierbei sollten Sie PsychotherapeutInnen oder PsychologInnen kontaktieren und versuchen, gemeinsam mit diesen Fachleuten die Ursachen Ihrer Symptome zu erkennen um einen gesundheitsorientierteren Lebensweg zu finden.
Obwohl wir wissen, dass seelisches und körperliches Wohlbefinden eng zusammenhängen, wird in Krisen- bzw. in Belastungssituationen oft auf eine ausgewogene Ernährung und auf ausreichende Bewegung vergessen.
Frust- und Stressessen
Das kann zum gefährlichen Kreislauf werden: Man fühlt sich lustlos, erschöpft, unglücklich - und greift zu Junkfood und Süßigkeiten. Kurzfristig scheint Essen wie ein Trost. Doch unausgewogene, fette und süße Nahrung rächt sich: Noch stärkere Müdigkeit folgt und die Erschöpfüng und Lustlosigkeit werden noch größer. Doch gerade bei großer Belastung und Anspannung braucht der Körper genügend Vitamine und Mineralstoffe. Doch nicht nur das "Was" ist in Sachen Ernährung und Wohlbefinden entscheidend, sonder auch das "Wie". Sich für das Essen und die Vorbereitung ausreichend Zeit zu nehmen, gemeinsam mit anderen zu kochen und den Tisch liebevoll zu dekorieren, trägt ebenfalls zum seelischen Wohlbefinden bei.
Gesunde Bewegung in freier Natur
Auch mit Bewegung lässt sich nicht nur das körperliche, sondern auch das seelische Wohlbefinden fördern. Bewegung kann, muss aber nicht anstrengend sein. Hauptsache, sie macht Spaß und passt zum eigenen Lebensalltag. Oft ist es für Menschen mit einem "seelischen Tief" besonders schwierig, sich zu Bewegung bzw. Sport aufzuraffen. Doch die Überwindung zahlt sich aus. Es geht darum, den ersten Schritt zu tun. Nach der Aktivität fühlen Sie sich wohler, ruhiger, aber auch dynamischer. Die Stimmung ist gehoben, Erregungszustände lassen nach, Ärger, Kummer und Frustrationen können besser abgefedert werden.
Checkliste: Bewegung und Ernährung
Dass man den Körper pflegen muss, um ihn gesund zu erhalten, ist den meisten Menschen bewusst. Der regelrechte Boom im Freizeitsport, das große Interesse an gesunder Küche, die Konjunktur der Fitnessstudios - all das sind Anzeichen dafür. Die Bedeutung der Pflege und Erhaltung seelischer Gesundheit allerdings wird immer wieder unterschätzt. Vermutlich deshalb, weil Beeinträchtigungen der Seele, anders als körperliche Beschwerden, sich weder im Röntgenbild noch mit Lborwerten darstellen lassen. Anzeichen dafür, dass die Seele zu kurz kommt, können vielfältig sein und reichen von einem Gefühl der Leere, Einsamkeit, sozialer Isolation, Antriebslosigkeit und Entscheidungsschwäche. Diese Stimmungen und Gefühle stellen Anzeichen einer Überforderung dar und sind ein Hinweis dafür, dass Sie mehr auf sich achten sollten.
Wenn die Seele leidet
Das seelische Wohlbefinden wir im Alltag immer wieder auf die Probe gestellt und oft sehr strapaziert. Eigene Ängste und überhöhte Ansprüche sowie unterschiedliche Erwartungen, Lebensweisen und Denkgewohnheiten können in Beziehungen, Familien, am Arbeitsplatz oder im Wohnumfeld zu bedrückenden Konflikten und damit auch zu seelischen Belastungen führen. Mit Konflikten und Belastungen so umzugehen, dass sie nicht zu dauerhaften psychischen Einschränkungen führen, ist eine ganz wichtige Aufgabe der "Seelenpflege". Denn seelisches Gesundsein heißt nicht, sich ständig wohl zu fühlen, sondern bedeutet, dass speziell in Schwäche- und Krisensituationen - Strategien und Hilfestellungen zur Verfügung stehen, um das seelische Gleichgewicht zu stabilisieren bzw. relativ schnell wiederzuerlangen.
