Sich vernünftig zu ernähren, scheint in zahlreichen Ländern der Welt immer schwieriger zu werden; Österreich ist da keine Ausnahme. Die Situation könnte nicht perverser sein: Während zwei Drittel der Weltbevölkerung noch immer gegen den Hunger kämpfen, stöhnen weite Teile der westlichen Welt unter sich rasant steigendem Übergewicht. Und während viele Menschen in den Industrieländern nicht wissen, wie sie ihre überschüssigen Kilos bekämpfen sollen, wird in Werbung, Film und Fernsehen ein Schönheitsideal propagiert, das de facto nur von magersüchtigen 14jährigen wirklich erreicht wird. So schwanken viele Gesellschaften zwischen Freßleidenschaft und Diätwahnsinn – und Österreich ist keine Ausnahme.
Neue Studie. Ernährungs- und Sozialmediziner werden nicht müde, vor der krankhaften Adipositas als einer der Epidemien des beginnenden 21. Jahrhunderts zu warnen – bisher leider ziemlich vergeblich.
Zum Auftakt präsentierte die Initiative eine Studie, die sich mit dem Ernährungsverständnis der ÖsterreicherInnen auseinandersetzt.
Ganz unzufrieden mit der Art, sich selbst zu ernähren, ist überhaupt niemand.
Große Defizite zeigt eine Studie auch im Wissen um richtige Ernährung. So sagen 59 Prozent, „die Information über gesunde Ernährung ist zu verwirrend, man kennt sich gar nicht mehr aus“. Und immerhin 50 Prozent derjenigen, die mit ihrer Ernährungssituation nur mittelmäßig oder wenig zufrieden sind, meinen, dass sie ja gerne gesünder essen würden, man dabei aber auf so viele Dinge achten müsse, das sei ihnen zu kompliziert. 56 Prozent glauben, dass wirklich gesunde Ernährung auch viel teurer wäre, 47 Prozent halten den Trend zu gesunden Nahrungsmitteln und Vitaminpräparaten für einen Verkaufsschmäh und gehen davon aus, dass derartige Produkte sogar mehr schaden als sie nützen. Interessanterweise sind dennoch fast 90 Prozent der Meinung, dass es einen Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Ernährung gibt. Aber immerhin 45 Prozent nehmen an, dass es genügt, einfach zu essen, was einem halt so
schmeckt, „das wird schon das Richtige sein“.

Die Zusammensetzung der Hauptmahlzeiten gehorcht, wie die Studie zeigt, durchaus immer noch den klassischen Vorbildern: ein großes Stück Fleisch und zwei Beilagen sind noch immer der kulinarische Himmel für viele ÖsterreicherInnen. Und ein weiteres Problem wird in der Studie deutlich: Stress führt zu ungesunder Ernährung. 34 Prozent geben an, nicht genug Zeit zum Essen zu haben. 37 Prozent sagen: „Ich esse oft nicht das, was ich will, sondern was ich bekommen kann.“
Diätwahnsinn spielt sich auf zweierlei Gebieten ab. Da gibt es einerseits die Übergewichtigen, die oft verzweifelt versuchen, mit falschen Methoden ihr Gewicht zu reduzieren. Sie sind die Zielgruppe einer Heerschar von Diätmarketing-Gurus, denen keine absurde Diätempfehlung zu abartig ist, um sie als DIE Heilsmethode schlechthin anzupreisen. Die meisten dieser Angebote haben zumindest eines gemeinsam: Sie geben falsche und oftmals gefährliche Ratschläge zu einer vermeintlich enormen Gewichtsreduktion in kurzer Zeit. Die Mittel, die (nicht nur) in den Blättern der Regenbogenpresse angepriesen werden, lassen an Fragwürdigkeit nichts zu wünschen übrig.
Der zweite Bereich, in dem sich Diätwahnsinn abspielt, ist nicht minder bedenklich, trifft er doch eine Personengruppe, die eben gerade keine Diät braucht. Nicht zuletzt ist es das grausam herrschende Schönheitsideal der Models auf den Laufstegen, das dazu führt, dass immer mehr 14- bis 20jährige (vor allem natürlich Mädchen) Radikaldiäten machen. Die Zahl der echten Eßstörungen – Anorexie und Bulimie – nimmt zu.
Der Stoffwechsel von Übergewichtigen ist gegenüber dem Normalgewichtigen deutlich verändert, wie Experten bei einer Veranstaltung des Fonds Gesundes Österreich“ betonten. Allerdings sind diese Veränderungen in fast allen Fällen eine Folge und keineswegs die Ursache der Adipositas. „Die Hormone“ als Ausrede für das eigene Dicksein anzuführen ist out, ebenso die beliebte Behauptung, man setze eben leicht Fett an, weil man ein „schlechter Futterverwerter“ sei.
Das Ziel aller Bemühungen auf dem Gebiet der Ernährungsumstellung liegt jedenfalls eindeutig jenseits von Freßsucht und Diätwahn. Das einzige Rezept, das wirklich Erfolg verspricht, ist eine langfristige, nachhaltige Umstellung der Lebens- und Ernährungsgewohnheiten, wobei der Fettreduktion in der Nahrung die entscheidende Bedeutung zukommt. „Schnelligkeit hat beim Abnehmen keinen Platz“.
Bewegung und körperliche Anstrengung ist schließlich die zweite, nahezu unverzichtbare Säule, auf der eine sinnvolle Gewichtsreduktion steht. Zwar ist die Menge an Energie, die man bei einem längeren Waldlauf verbrennt, mit einem mittleren Hamburger locker wieder aufzunehmen, aber dennoch hat Sport eine enorme Bedeutung für die Reduktion von Übergewicht bzw. die Erhaltung eines einmal erreichten Normalgewichts.
„Schon eine einmalige körperliche Belastung verbessert die Glukosetoleranz und die Insulinsensitivität beim übergewichtigen Menschen“,
sagt der Sportwissenschaftler Mag. Dr. Hannes Pratscher, der im südlichen Niederösterreich ein Sportund Fitnessinstitut betreibt. „Außerdem trägt regelmäßige körperliche Anstrengung entscheidend dazu bei, den Verlust an Muskelmasse, der sonst bei energiereduzierter Ernährung auftritt, zu kompensieren, sodass man tatsächlich Fett und nicht Muskulatur abnimmt.“